Amanda Lears: Warum Rapunzel heute mehr Drama als Märchen wäre …

Sie war ’ne Gute.

Echt jetzt!

Das sehe ich wirklich so. Jetzt in meinem 39. Lebensjahr kann ich mittlerweile sagen, dass sie Recht hatte. Ich glaube ja nicht so wirklich an Märchen, aber Rapunzel hatte einfach Recht. Ich glaube es wirklich! Rapunzel hat es uns gut vorgemacht, liebe Frauen. Sie konnte etwas, was uns modernen Frauen einfach total abhanden gekommen ist. Es ist das was Männer mittlerweile fortbleiben lässt, es ist das, was sie entmutigt und von vorn herein langweilt. Es ist DIE EINE Kompetenz, die Männer überhaupt erst dazu veranlasst, voll und ganz in ihre Stärke zu kommen und für die eine Frau auch alles, wirklich alles zu geben und alles zu riskieren.

Es lässt sie Burggräben überwinden, mit Drachen kämpfen, Bösewichte töten, Berge erklimmen, Turniere gewinnen und Dornenhecken und was weiß ich nicht noch alles überwinden.

Es ist: DAS WARTEN.

Es heißt immer, moderne Frauen haben es nicht nötig auf einen oder auch ihren Mann zu warten. 

Sie nehmen sich einfach was sie wollen und gut ist. Nein, so gut ist es eben nicht, denn warum verpieseln sich die Männer nach ihrer Eroberung wieder, sind nicht mehr präsent und emotional ausgeschaltet? Zum einen, weil die ihre Themen haben, ein anderer Punkt aber liegt meiner Meinung nach darin, dass wir Frauen gar nicht  mehr in der Lage sind, die Männer diese Distanz zu uns ALLEINE ohne Hilfe überbücken zu lassen. Wir eilen ihnen ständig entgegen und nehmen ihnen das Kämpfen, das Bemühen und das Erobern ab. Warum kämpfen Männer eigentlich so gern, warum gehörte das Erobern früher so dazu? Nicht nur bei Frauen ist das ein Thema, sondern spielt permanent eine Rolle in dem männlichen Leben: DAS KÄMPFEN um Anerkennung, um Status, um Achtung, um Ehre um Respekt und natürlich auch um die Herzen der Frauen. Der Mann kommt durch das Kämpfen mit seiner Kraft und Stärke, seiner Energie in Kontakt.

Ein Mann will nichts geschenkt, der will sich immer beweisen.

Das muss er auch. Aber die meisten heutzutage die meinen, dass das alles auch so in ihren Schoß fällt, inklusive Frau, haben da auch einfach Recht. Dank der Emanzipation hat sich alles auf diese Ebene verschoben, dass wir Frauen das ja auch alles können: Stark sein, kämpfen um einen Mann, ihn überzeugen, sich durchsetzen, erobern. Und da denke ich mir, haben wir uns etwas sehr Dummes eingehandelt.

Wären wir damals in der Rolle von Rapunzel gewesen, hätte das anders ausgesehen, glaube ich. Wir hätten da nicht so lange rumgemacht, bis das Haar dreitausend Kilometer lang gewachsen wäre, wir hätten uns einfach mal selbst befreit aus diesem Turm. Vielleicht den „Schlössle-Dienst“ kontaktiert (Schneeweißchen-und Rosenrot CokG… oder so). Handy gezückt und zack da angerufen:

„ Ja also ganz doofe Situation, beschissene Stiefmutter, Trouble in der Family und schlag mich tot und nun sitz ich hier fest, obwohl ich doch zum nächsten Meeting muss! Ja und Prinzen, hören sie mir auf, die kriegen es ja alle nicht auf die Kette, bleiben im Dornenbusch hängen und heulen, jammern weil die Stufen zu viel sind, haben Mückenstich und andere Auas und was weiß ich!“

 JA!

Stopp!

Und genau das war der Sinn von diesem blöden Turm und dieser unüberwindbaren vermaledeiten Hecke. Sie waren einfach ein Test!

Die Herausforderung und der Test für den jeweiligen Anwärter an Durchhaltevermögen, Biss und Power, ob er das denn packt bis in den Turm hinauf. Ob er dranbleibt oder irgendwann keinen Bock mehr hat, weil Dornröschen in ihrem Schloss ja gleich um die Ecke,  andere Könige auch Schlösser mit niedrigeren Hecken oder schöneren Töchtern hätten also plenty much more Prinzessinnen in the Sea … es wäre also einfacher und so weiter und sofort.

Ja und heute kriegen sie alle Höhenangst und Nasenbluten und können sich nicht entscheiden, ich weiß.

Aber wir Frauen sind selbst schuld! Warum?

Weil wir den Prinzen allen auf halber Strecke entgegenkommen. Wir brechen das Schloss selbst auf, schwingen uns auf einen Gaul und schlagen uns durch die Hecke, vor der dann ein Prinz rumsteht, weil er zufällig nix anderes zu tun hat. Der schwingt sich mit aufs Pferd und dann geht’s – rubbeldiekatz – davon. Die Frau hat die Zügel in der Hand und der Mann guckt dumm und langweilt sich sofort zu Tode und steigt bei der nächsten Tanke ab. Kein Bock mehr.

So läuft das.

Ne ne. Rapunzel wusste was gut ist, die hat gewartet und sich rar gemacht und nicht mit ihrem ganzen Shit den Raum des Mannes eingenommen. Wir texten sie zu, wir drangsalieren und sticheln und wisst ihr was? Wir fragen uns ständig warum die Männer wegbleiben. Die Antwort ist einfach, weil sie keinen Raum haben, um sich selbst mal zu platzieren mit ihrer ganzen Stärke in dem ganzen Chaos. Weil sie keine Möglichkeit haben ihre Stärke unter Beweis zu stellen. Ihren Anteil zu platzieren, das geht nicht. Weil die ganzen durchgeknallten Trullas von heute (mir ja inklusive) meinen, dass es an uns ist, das Ding zu wuppen.

Wir Frauen halten das doch gar nicht aus, wenn der Mann nicht so schnell macht, wie wir das aber unbedingt wollen.

„Warum hat er nicht angerufen, warum schreibt er jetzt nix, warum sagt der nix?“

Das fragen wir uns permanent dabei ist die Antwort so einfach: Weil Männer ein anderes Tempo haben. Die sind einfach anders und die nähern sich mal schnell, mal langsam, die prüfen das auch für sich, ob die denn überhaupt genug Bock auf die Schnitte haben, ob es sich lohnt oder ob die denen schon jetzt so sehr das Ohr abkaut, dass er seine Energie gar nicht mehr platzieren kann. Vor allem aber alles schon weiß von der Frau und damit gar nicht mehr neugierig sein kann auf sie. Wir Frauen geben alles sofort Preis, weil wir so bedürftig sind und den Mann in seinen Bewegungen kontrollieren müssen. Er soll es ja schaffen, über die Hecke usw. Weil wir glauben, weil wir befürchten wir bleiben in diesem Turm für immer eingesperrt und alleine. Ja! Das befürchten wir. Und deshalb gibt es so viel Theater um den Mann. Die Frau kann nicht mehr bei sich und für sich und alleine bleiben. Sie kann den Mann entweder vereinnahmen und ihm alles abnehmen oder ihn permanent abschmieren lassen mit Ignoranz. Sich aber mal hinein entspannen, abwarten und entscheiden, wann sie sich abwendet, das können Frauen nicht mehr. Sie können nicht emotional selbstbestimmt handeln sondern nur in Abhängigkeit. Deshalb reizt das einen Mann auch kaum mehr. Weil sie das nicht mehr gelernt haben.

Eine Frau die nicht bei sich und mit sich bleiben kann, die ist nicht reizvoll.

Die macht nicht neugierig, die ist einfach langweilig.

Ich kriege das gerade erst raus und verstehe das so langsam immer mehr, was eigentlich mein Job ist. Der Mans muss mich von sich überzeugen. Er muss ausdauernd eben das unter Beweis stellen und dafür kämpfen, dass ich mich da einlasse. Ey, von nix kommt nun mal nix! Und dazu muss ich gar nichts tun, außer offen dafür sein, das das so laufen darf. Es darf dauern, es braucht seine Zeit. Gerade heute testen auch Männer das aus, ob die Frau sie nicht böse verarscht, wenn sie sich durchgeschlagen haben. Frauen spielen ja oft damit und das kränkt.

Na ja. Unser Prinz in dem Märchen hat nicht umsonst eine Rüstung an, mit der er viel abkann. Erst im entscheidenden Moment, kann er die ablegen, vorher sollte er das nicht tun.

Ja ja so ist das. Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich es einmal sage aber: sich zurücknehmen ist viel häufiger angesagt und auch effektiver als vorzupreschen. Den Mann so zu reizen indem wir mit ihm kämpfen gelingt nicht. Wir reizen und fordern seine Stärke nur heraus, wenn er die auch unter Beweis stellen kann, wenn er Raum bekommt.

Der Mann kann nur stark sein, wenn wir Frauen nicht mit seiner Stärke permanent in Konkurrenz gehen. 

Der Turm ist ein Test an Stärke und Durchhaltevermögen (sehr gefragt, beispielsweise schon allein um Bett …).

Wer da nicht antritt, der ist einfach nicht der Richtige, um auch Zutritt zu den heiligen Hallen der Frau zu bekommen.

Ich halte hier mal weiter Ausschau und flechte mir die Haare.

Habe gerade sonst nix zu tun.

Bis bald und Adieu, eure Rapunzel,

ähhh Amanda

3 Kommentare zu „Amanda Lears: Warum Rapunzel heute mehr Drama als Märchen wäre …

  1. Sehr gut beschrieben. Gestatten Sie mir als Mann noch eine Anmerkung? Männer haben zudem die Pflicht, einer Frau das Gefühl zu geben und wenn die Situation es verlangt, das sie (die Frau) jeden erdenklichen Schutz von ihrem Mann erfährt. Nur ein weiterer Baustein den man Liebe nennt

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