Impotenz leicht gemacht

Pornos machen impotent – schon ab drei Stunden täglich.

Was wie ein Witz klingt, ist die Realität. Natürlich ist Pornos-gucken nicht schädlich, außer man macht es ständig und stundenlang.

Stundenlang – das gibt es doch nicht, denkt ihr? Die Serverprotokolle der Pornoanbieter sprechen eine andere Sprache.

Dreißig Prozent der durch das Internet fließenden Daten sind pornografische Inhalte. Dreißig Prozent! Da sind die Daten von Filmen und Musik mit eingerechnet! Dreißig Prozent! Das kann kein Hobby einiger weniger verschrobener Gestalten sein. Nein ist es auch nicht. Das machen ganz viele und einige wenige besonders viel.

Und es passiert nachts und die User sind stundenlang eingeloggt. Die schlafen ja nicht alle ein vor dem Bildschirm oder nutzen die Filmchen für die Recherche einer Hausarbeit.

Für jemanden, der Pornos nur hin und wieder nutzt, klingt das absurd und unglaublich, denn in ihrer Vorstellung ist Pornokonsum doch nach fünf Minuten erledigt. Dann liegt das Ergebnis in der Hand, oder nicht?

Nein, Irrtum.

In Wahrheit ist das so: Da sitzt der Mann vor dem Rechner, eine Hand an der Maus, mit der anderen den Schwanz in der Hand und klickt Filmchen für Filmchen, saugt sich durch das ganze Netz. Stundenlang und immer wieder onaniert er.

Stundenlang onanieren macht impotent. Es ist das „Wie“ und die Zeitspanne und die Häufigkeit. Ausufernder Pornokonsum ist ein geschmeidiger und schleichender Weg in die Impotenz, denn er wirkt von mehreren Seiten zugleich:

1. Reizüberflutung – Die Bilder sind irrational

Dass Pornos nicht realistisch sind, ist klar. Dass es zu viel an Reiz ist, ist offensichtlich.

Es ist simpel was passiert. Das hat auch nichts mit Wollen oder Intelligenz zu tun, es ist simple Physiognomie. Der Körper macht das: Da sieht man etwas, das ist geil und macht glücklich. Dopamin wird ausgeschüttet, ein Glückshormon. Der Körper gewöhnt sich daran und will mehr davon. Also braucht es mehr Reiz und mehr dieses Reizes ist im Internet kein Problem. Die Quelle der Freuden ist schier unbegrenzt, sie sind nur einen Klick entfernt. So kann man stundenlang, kostenlos. Immer höher dreht sich die Spirale. Und dann, kein Wunder: In der Realität, reicht der Reiz hinten und vorne nicht und ist fade. Der Schwanz steht nicht, denn das bisschen nackte reale Frau da auf der Matratze reicht nicht aus.

Sorry, dass ich hier so flapsig über die missachtete Dame spreche, aber genau so ist es für den Mann, dann. Das ist nicht sie, das ist nicht er, das macht, was er macht.

2. falsche Vorbilder – der Mann ist ein visuelles Wesen. Die optische Information hat Vorrang vor allen anderen. Männer nehmen über die Augen wahr, besonders über sie, viel stärker als die Frau. Und was sieht er da? Zu viel und überall nur Extrem und Ideal. Seine Meinungen, was gefällt, seine Maßstäbe verändern sich, werden von den Bildern geprägt.

Sitzt er stundenlang vor Pornos, verschiebt sich das Muster, was gefällt und reizt. Die Muster werden extrem und immer extremer, auch weil er mehr des Reizes baucht und besonders die Qualität verändert sich. Es ändert sich, was man sehen will, der Mann wird dort hineingetrieben. Übersexualisierte Frauen werden ersehnt. Riesige Schwänze werden aus Perspektiven gezeigt, die man nie im Leben geboten bekommt (als Mann), und das eigene Genital erscheint winzig, geradezu niedlich. Außerdem können die Darsteller (scheinbar, je nach Schnitt) stundenlang und das frustriert.

Auch wenn man davon weiß, Realität von Schein unterscheiden kann, das Stammhirn arbeitet hier und das kann das nicht. Es nimmt diese Bilder auf und baut sie in den Selbstwert ein. Und natürlich prägt auch das „Wie“, wie Sexualität in Pornos verläuft, aber das ist eine eigene Erzählung wert, mindestens.

In der Summe wird sein Selbstwert torpediert, denn weder findet er in der Realität so heiße Weiber, noch kann er so gut wie diese wilden Rammler. Selbstwert kaputt oder mindestens kleiner. Eiderdaus. Dummerweise ist es aber der Selbstwert, der den Schwanz aufstellt.

3. Fehlprogrammierung – Nochmal. Bauen wir für kurz neu die Situation vor dem Rechner auf als inneres Bild: der Mann sitzt vor dem Monitor, glotzt und hält seinen Schwanz in der Hand. Er nimmt die Information über die Augen auf und gibt Ejakulat unten ab.

Vereinfacht bedeutet das den Reaktionsweg: Augen – Hirn – Schwanz. Das ist sehr simpel und wird der Realität von Sex nicht gerecht. Sex erfordert viel mehr. Da muss der Mann agieren, handeln, er muss fühlen auf der Haut und mit allen Sinnen. Er muss sich bewegen. Er muss vielleicht sogar in Aktion treten und ein Risiko eingehen. Auch das gehört beim Sex dazu. Auch das stimuliert – hoffentlich.

Das Reizschema wird verändert. Der Schwanz wird unempfindlicher, er stumpft ab. Wenn man immer wieder an der gleichen Stelle und intensiv stimuliert wird, stellen die Nerven sich darauf ein. Sie legend die Erregungsschwellen höher. Es ist ein physiognomischer Prozess. Es ist Anatomie, die Synapsen machen da was. Abstumpfen ist ein Prozess, den jeder kennt und das geschieht auch mit dem Schwanz.

In Klardeutsch: Mit wundem Schniedel spürst du die Frau nicht mehr. Der Reiz reicht nicht aus und wird weich im entscheidenden Moment.

Der Mann muss – ganz wichtig beim Sex – atmen. Der Atem wird zerstört sitzend vor dem Bildschirm und das sexuelle Empfinden auf das Erleben am Schwanz reduziert. Sex ist viel mehr als „am Schwanz“. Nach ein paar Wochen Pornokonsum immer wieder stundenlang, lenkt dich alles was nicht am Schwanz passiert nur ab von deiner Erektion. Alle Schaltungen werden verändert und umverlegt. Deine Lust funktioniert anders und wird anders erzeugt und verarbeitet. Das „Normale“ funktioniert nicht mehr.

Für diejenigen, die das nicht glauben oder glauben wollen, berichte ich einmal aus dem Nähkästchen, nämlich von mir:

Ich bin Schriftsteller und schreibe Krimis und erotische Literatur. Viele Stunden am Tag und wochenlang sitze ich vor dem Rechner und schreibe hocherotischen Kram. Das dauert Tage, Wochen, Monate und ich gebe zu, auch auf mich wirkt das. Es wirkt sogar sehr, denn tief tauche ich in die Phantasien ein. Stundenlang sitze ich also sexuell hochmotiviert an der Tastatur.

Etwa ab dem Verfassen des zehnten Kapitels eines Sex-Romanes bekomme ich sofort eine Erektion, setze ich mich an den Bildschirm, egal wofür. Egal ob beim Onlinebanking oder dem Download des Sperrmüllkalenders, mein Schwanz steht für einen Moment, bis der Körper realisiert, heute ist was anderes angesagt. Es ist konditioniert und sofort da.

Bin ich in einer anderen Phase, schreibe ich einen Krimi, passiert das nicht. Dann ist alles normal und die konditionierte Erregung weicht nach ein bis zwei Wochen zurück, wenn die erotische Schreiberei beendet ist.

Das gilt nicht nur für vor dem Bildschirm, das gilt dann auch im Bett. Es fällt mir viel schwerer, eine Erregung gemeinsam mit der Frau aufzubauen, habe ich die letzten Wochen stundenlang die heißesten Sexszenen erdacht und hin und wieder – von neun bis fünf – meinen Schniedel angefasst. Erregung baucht Entspannung, also Phasen ohne Erregung.

Ich habe das am Anfang nicht verstanden und dachte, ich sei kaputt. Gott sei Dank ist die Sache reversibel.

Faszinierend daran ist, dass der Dapoko (Dauerpornokonsument) das eigentlich weiß.

Ich habe einmal in einem Swingerclub eine Umfrage gestartet, so an der Theke. Ergebnis: Ein paar Tage vor einem Date oder einem Clubbesuch stellen die Männer das Onanieren ein. Die unterlassen das ganz gezielt, damit sie können auf der Matte im Club. Die haben sich nicht abgesprochen, haben diese Methode parallel entwickelt.

Die wussten ganz genau, dass ihr Pornokonsum die Maßstäbe verschiebt und sie nicht mehr so gut können und auf eine merkwürdige Art abgestumpft werden.

Trotzdem ist das geil mit den Pornos und verzichten wollen sie nicht. Männer sind sehr kreativ in diesen Dingen. Bis Dienstag können sie wichsen, haben sie sich ausgerechnet. Wenn sie ab Mittwoch sieben Uhr in der Früh den Rechner nicht anfassen, klappt es Samstag im Club einigermaßen beim Gangbang, der in der Realität fast so schön ist wie im Film.

Sie wissen es also, lassen es aber nicht sein, oder wenn nur kurz und nehmen das Pornographieren wieder auf. Ganz doof ist das nicht, aber es schimmert durch, dass es Selbstbetrug ist.

Es wird als Porno-Sucht bezeichnet und offensichtlich gibt es einen hormonellen Hintergrund. Wie oben beschrieben, ist Körper, Wünsche und Geist durcheinandergeraten und kommt mit der Realität nicht mehr klar. Es reicht nicht mehr für den Ständer vor der Frau im entscheidenden Moment, da man über Pornos zu viel, zu lange, zu still, falsch kostenlos den falschen Reiz bekommt.

Was tun ist man betroffen?

Ich möchte gar nicht weiterschreiben an dieser Stelle und Tipps geben, was zu machen wäre. Männer hassen das. Wenn überhaupt, wollen sie eine Antwort, nachdem sie selbst gefragt haben. Höchstens. Männer hassen Belehrungen, denn davon haben sie zuhause genug.

Nein, ich sage dazu nur: Es ist reversibel. Es geht wieder weg, wenn man es unterlässt.

Was allerdings nicht für jeden einfach ist. Aber es gibt ein paar Tricks. Es gibt gute und schlechte Ideen dazu und ich will da nicht parteiisch sein. Upps, jetzt ist mir hier doch glatt ein Link aus der Tasche gefallen …

Ein Kommentar zu “Impotenz leicht gemacht

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