Paul Kaufmann: Was bin ich?

Verdammt, jetzt haben sie mich. Jetzt stehe ich auf dem Schlauch und ich weiß nicht, was ich machen soll. Ich muss hier ein Formular ausfüllen und da ist dieses Eingabefeld: Geschlecht. Sie fragen mich nach meinem Geschlecht, und jetzt? Was trage ich denn da ein? Neuerdings komme ich an dieser Stelle nicht zurecht. Also früher, als die Welt noch in Ordnung war, da war die Sache klar. Mann oder Frau, haben sie gefragt und ja, Mann habe ich geantwortet, fertig.

Aber heute? Es gibt so viele Möglichkeiten. Ich komme mir altmodisch vor. Früher gab es nur zwei Geschlechter und heute gibt es ganz viele. Obwohl, ich habe in Biologie aufgepasst und zwei von tausend Menschen kommen als Zwitter auf die Welt. Da hat die Biologie sich nicht entscheiden können und schon damals im Bioleistungskurs habe ich immer gesagt, dass man das berücksichtigen muss. Das ist okay. Das kann ich verstehen, Zwitter ist ein Sonderfall. Es gibt Kulturen, die betrachten diese Sonderfälle als heilige Personen. Die sind etwas Besonderes und werden gefeiert, bekommen eine Sonderrolle. Das finde ich gut. In der Türkei zum Beispiel war das so. Kam ein Zwitter auf die Welt, so wurde er als besonderes Wesen auf einen Thron gestellt, sogar im kleinsten Dorf. Es wurde gewürdigt, dass die Biologie ab und zu einen Ausflug ins Bizarre nimmt. So konnten die Zwitter ankommen in dieser Männer-Frauen-Welt. Super! Das war allerdings, bevor der Islam in seiner Reinform kam, als es noch Hochkultur war.

Aber jetzt, heute? Nonbinär, Bigender, Demigirl, Agender, Neutrois und was es nicht alles gibt. Zwei Geschlechter reichen nicht mehr, so ein Mist. Hilfe! Bin ich jetzt altmodisch, wenn ich das Gefühl habe, da kommen einfach ein paar nicht zurecht? Sie tun so, als würde es einfacher, wenn es komplizierter wird, so sehe ich das. Es geht den Menschen einfach zu gut.

Also nichts für ungut. Ich glaube tatsächlich, dass es Menschen gibt, die nicht wissen, ob sie Männlein oder Weiblein sind. Das ist auch nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und ist auf individueller Ebene bestimmt ein Riesenproblem. Ich will das nicht kaputtreden, aber hey, was habe ich damit zu tun? Wieso muss man mir – und allen anderen – das Hirn vernebeln mit Ideen, dass es neben Frau und Mann und Zwitter drölftausend Kuriositäten gibt? Und wie ist das mit dem Nachwuchs, wie sollen die sich denn zurechtfinden, wenn es auf einmal nur noch Nebel gibt? Fakt ist, es gibt Mann und Frau und zwei Promille. Das ist die Realität, alles andere ist Hirngespinst.

Und bitte nicht denken, ich würde diese Dings, als wie nennt man die denn, diese Nichtbinären diskriminieren. Ich respektiere, dass sie sind, wie sie sind. Ich schlafe sogar mit ihnen. Also ist mir zwei Mal auf exzentrischen Partys passiert, so halb aus Versehen. War lustig und cool und als Person und Individuum kann ich die voll ernst nehmen, alles gut, aber deshalb muss ich doch nicht gleich so tun, als ob die Welt nicht polar wäre, als ob es mehr als zwei Geschlechter gäbe.

Vollkommen bekloppt ist das und ich stehe hier und weiß nicht, was ich eintragen soll in dieses verdammte Fragebogenfeld. Und übrigens habe ich auch den Eindruck, dass die, die wirklich ein Problem mit ihrer Geschlechterzugehörigkeit haben, so psychisch in den Seilen hängen, diesen Unsinn gar nicht machen. Das betreiben nämlich Andere. Nein, das sind Menschen, die sich darüber definieren anderen vorzuschreiben wie sie zu definieren haben. Um woke zu sein, tun sie so, als ob sie ein Problem hätten, wo andere wirklich ein Problem haben. Das ist eine Beleidigung für die, die wirklich nicht zurechtkommen. Wenn dir nichts mehr einfällt, um besonders zu sein, aber so gar nichts mehr, dann wechselst du dein Geschlecht wie ein Chamäleon und verurteilst die anderen dafür das sie diesen Quatsch nicht nachvollziehen. So machen die das. Ich will gar nicht laut aussprechen, aus welcher Ideologie diese Strategie entnommen ist. Gruselig ist das.

Aber die Welt ist halt nicht mehr in Ordnung und mein Problem bleibt, was trage ich ein? Ich klicke mit dem Kuli und warte auf Inspiration. „Mann“ klingt mir zu einfach, zu plump, auch wenn ich mich fünfmal als Mann fühle. Voll die Randgruppe. Mann! Wer will das denn? Wie stehe ich denn dann da?

„Rüsseltier“ – Ha! Ich trage Rüsseltier ein. Da schaut: Habe ich gemacht. R-ü-s-s-e-l-t-i-e-r. Rüsseltier finde ich gut. Wenn die mich verarschen, dann kann ich das auch. Und: Das Rüsseltier* gibt es wirklich in der Biologie, das ist der Unterschied.

* Die Rüsseltiere sind eine Ordnung der Säugetiere, der heute nur noch die Familie der Elefanten angehört. … Benannt wurde die Ordnung nach ihrem Rüssel als auffälligstem äußerem Merkmal – Danke Wikipedia

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