Schatten-Welten

Wenn Schatten-Themen in einer Beziehung dominieren, dann ist es sehr schwer einen Weg miteinander zu finden. Es ist ein totales Drama, denn es wird nicht möglich sein halbwegs frei miteinander zu agieren, denn die ungelebten und nicht erkannten Anteile werden immer wieder ihr Da-Sein im Schatten der Liebe führen und das führt zu erheblichen Problemen im Zusammen-Sein.

Ein Schatten ist ein unbewusster Anteil eines Menschen in der Psyche. Nach Carl Gustav Jung beschreibt ein Schatten ungesehene und zu schmerzhafte Anteile eines Menschen, die aus Glaubens-Sätzen, Mustern und Strategien bestehen, die ein Mensch sich in der Kindheit angeeignet hat, um die Liebe und Anerkennung seiner Bezugspersonen nicht zu verlieren. Der Schatten agiert im Dunklen, ungesehen, denn es galt das was schmerzhaft war, zum Beispiel die Erfahrung der Ablehnung und des Alleine-Seins zu kompensieren. Ein Schatten ist wie ein Konglomerat aus ungeliebten und schmerzhaften Gefühlen, die je jünger ein Kind ist und um so bedrohlicher etwaige Erfahrungen für die eigene Seele waren, umso heftiger und intensiver im Körper-Geist-Psyche-System gespeichert sind. Das bedeutet, sehr hartnäckige Schatten entstanden aus großer Not. Sie sind ein Not-Behelf der Seele, um zu überleben. In dem Zusammenhang stehen auch Abwehrmechanismen der Psyche, damit diese sich stabilisieren und funktionieren kann. Sie gehören zu den Schatten-Anteilen und beschreiben eben jene Strategien, um das Schmerzhafte nicht in das Bewusstsein zu lassen. Sind wir also mit Schatten-Anteilen bei uns selbst oder dem anderen konfrontiert, müssen wir davon ausgehen im Nebel zu stehen, denn wir sind kaum in der Lage die Wirrungen aus Abwehrstrategien und daraus resultierender Verwicklung zu erkennen. Weil ihr Sinn ja ist, das tief liegende Problem, den Kern des Schmerzes zu verschleiern.

So kommt es in nahen Beziehungen immer wieder zu Übertragungen oder Gegenübertragungen. Das ist ein Phänomen vom Schatten-Anteil.

Der andere ist dann das Problem, wenn ursprünglich selbst mit Ängsten und allerhand unbewusstem Kram hantiert wird. Der andere ist dann Schuld, ist irgendwie nicht richtig, hat Probleme, ist irgendwie nicht intakt. Der andere ist meist der Partner, der beschuldigt, problematisiert und eben mit dem Schatten des Gegenübers konfrontiert wird.

Hier ist der Mechanismus der PROJEKTION aktiv. Der andere ist das, was man selbst befürchtet und nicht an sich akzeptieren kann, eben weil ein ganz junger Teil der eigenen Psyche noch ungeheilt und verwundet darnieder liegt, und glaubt sich schützen zu müssen.

Wichtig ist zu erkennen, wann man mit einem Schatten hantiert. Denn es gibt so viele Fallstricke und Manöver, dass es sehr schwer ist zu erkennen, was in der gegenseitigen Verwickelung passiert. Je höher die Schatten auf beiden Seiten, also je größer die nicht aufgearbeiteten Themen sind, desto höher das Konfliktpotenzial und die emotionale Distanz zueinander. Unsere Schatten sorgen dafür, dass wir uns nur mit einer Maske zeigen, wir schützen uns vor dem ursprünglich so entsetzlichen Schmerz. Denn wir haben uns vor lauter Angst und Schmerz ein Ersatz-Ich, ein Ideal-Selbst zugelegt. Damals, so glaubten wir, würde uns das helfen nie mehr verletzt zu werden.

Das Ideal-Bild von uns muss so bleiben, diese Maske bedeutet Schutz für das Verletzliche in uns und so wollen wir nicht hinschauen. Der  Reflex ist, im anderen diesen Schatten zu sehen, der uns so tief verletzt hat. Wir sehen im anderen die Kränkung, die Herabsetzung, die Abhängigkeit. Und beginnen das zu bekämpfen.

Immer wenn wir den anderen nicht mit dem lassen können, was er sagt oder tut, wenn wir es besser wissen, wenn wir ihn berichtigen und kämpfen wollen darum ENDLICH EINMAL GESEHEN ZU WERDEN, dann sind wir mit einem Schatten-Anteil konfrontiert. Wenn wir beleidigt sind, wenn wir uns im Unrecht sehen und wenn wir glauben DER ANDERE SEI SCHULD!

Wenn wir glauben der andere hat jetzt die handfeste Schuld dafür, wie ich mich fühle und er allein, er können das Gefühl des Schmerzes weg-nehmen, dann sind wir bis zum Hals in unseren eigenen Themen verstrickt und ziehen den anderen mit rein. Wir können dann gar nicht erkennen was wahr und was falsch ist. Denn wir agieren aus einer tiefen Wunde heraus die nur eines will: in Ruhe gelassen werden. Wir kämpfen darum, wir streiten darum, wir zetern und wir schieben alle Verantwortung von uns, das kann hoch intelligent und geschickt ablaufen. Wir streichen was der andere sagt weg, wir bügeln ihn ab, wir flüchten, wir manipulieren, drangsalieren, nur um das zu hören was wir hören wollen.

Und das ist ein Problem. Man kann nämlich auf einen unbewussten Schatten, auf Anteile, die nicht vom Eigentümer angeschaut und wahrgenommen werden wollen, NICHT adäquat reagieren. Denn man füttert sie. Man findet nur tiefer in die gegenseitige Verstrickung geht man darauf ein, denn Verletzen und Kränken sind das einzige, was ein noch nicht bewusstes Ego kann, um sich selbst zu schützen. Denn es will ja seinen alten Schutzpanzer behalten. Es ist Schmerz, ganz allein nur Schmerz und unerbittliche Angst davor, sich das anzuschauen. Wir alle haben Schatten-Themen, das ist ganz normal. Gesund ist es sich diese (vielleicht auch in einem therapeutisch geschützten Rahmen) anzuschauen, sich dessen bewusst zu werden.

Aber die Schatten-Arbeit geht noch viel tiefer. Es geht darum die Erfahrung von damals anzuerkennen und zu erleben, dass der Ursprung unseres Schmerzes immer die reine bedingungslose und ehrliche Liebe des Kindes in uns zu unseren Eltern war. Denn Liebe will strömen und Liebe will sich verschenken. Die zurückgewiesene und gekränkte Liebe des Kindes zieht sich zurück und verkapselt sich in Gefühle der Einsamkeit und Verlassenheit. Wir fühlen uns unendlich einsam, abgeschnitten von der Welt und erleben Verzweiflung als ein Lebensgefühl, das sich ungelöst durch unser ganzes Leben zieht. Zum Beispiel kann ein Schattenthema Verlustangst sein oder ein geringer Selbstwert. Es kann sein, dass du dich zu wenig gesehen und geliebt fühltest oder ständig in der Kritik siehst, denn das hat dein Unterbewusstsein einmal gelernt. Es kann sein, dass du nicht vertrauen konntest als Kind, das dein Bedürfnis nach Liebe und Sicherheit durch Übergriff und emotionale Kälte auf der anderen Seite verletzt wurde.

Und das Kind in dir hat Strategien gelernt mit diesen Kränkungen umzugehen. Sich davor zu schützen. Das war die DAMALIGE BESTE Lösung für dich.

Und wie so oft ist die Lösung (die damalige kindliche) das heutige Problem. Was früher eine gute Strategie war zum Beispiel sich tot zu stellen, in den Rückzug zu gehen, oder intelligente Nebenschau-Kriegsplätze aufzumachen, führt als Erwachsener in die Sackgasse. Dein Partner wird von dir weg-gedrängt, weil du ihm etwas unterstellst, was nicht ist. Du überträgst deinen Schatten auf ihn. Und er kann nichts tun, um daraus zu entkommen, denn alles was er tut wird den Schatten deiner Geschichte bestätigen. Schöne Scheiße.

Du wirst niemals sehen was dein Partner wirklich ist. Was er dir wirklich zu geben hat, denn du hast die Maske deines Schutzes noch nicht abnehmen können. Und in der Welt deines Schattens bleibst du immer einsam und ungeliebt. Du siehst deinen Partner nicht, du siehst nur deinen alten Drama-Film der Kindheit. Und das permanent und ständig.

Die Konfrontation damit bedarf einer gewissen Reife. Es bedarf der Einsicht in die Verantwortung für die eigenen Filme zu gehen und sie nicht ständig der Umwelt zuzuschreiben. Man muss schon einigermaßen gut in sich stehen können, um das anzugehen das Thema, denn es geht an die Grundfeste der Psyche, an die Struktur. Aber nur da können wir wirklich etwas bewirken, nur da kann sich wirklich etwas verändern. Irgendwelche Pseudo-Spirituellen Laber-Seminare werden nur die Ego-Hülle der Überzeugungen und der Kontrolle, also die vielen Strategien und die Masken in dir stärken. Aber sonst nichts.

Was also tun, wenn dein Gegenüber gefangen ist und sich nicht mehr rühren kann? Wenn es nur noch Kränkungen hagelt und du nicht mehr ein noch aus weißt?

Ganz einfach. Es ist das was am naheliegendsten und am schwersten ist: Bei sich zu bleiben und liebevoll aus dem Kontakt zu gehen, denn du kannst hier nichts mehr tun. Den anderen darf man getrost in seiner Verantwortung lassen und man darf in seine gehen.

Nämlich dahin zu spüren, was tut mir denn gerade gut und habe ich Bock meine Energie so unnütz verdampfen zu lassen? Was geben mir unnütze Kämpfe und Diskussionen, was meine ich hier zu bekommen, von welchem eigenen Schmerz lenke ich mich so ab?

 Jeder hat zu jeder Zeit die Wahl und die volle Freiheit zu tun was man will. Distanz hilft sich klar zu werden. Distanz hilft zu sich zu kommen, gerade als Frau eine unglaublich wichtige Strategie. Wir können uns immer fragen:

Was will ich denn gerade am anderen herbei-führen, was will ich an ihm nicht sehen gerade? Und schon sind wir bei uns und in unseren Themen angekommen.

Dann können wir ablassen vom anderen, ihn LASSEN und zu uns gehen.

Gehen wir raus aus den Kämpfen mit anderen und wenden wir uns ganz radikal dem EIGENEN Anteil zu. Auf das wir Heilung finden in unserem gekränkten und ungeliebten Kind, das wir alle einmal waren. Und hineinwachsen können, in einen neue, nie ungeahnte Freiheit. Haben wir den Mut dazu, uns selbst zu erkennen, wie und wer wir wirklich sind.

 

Wenn euch unsere Texte gefallen, dann teile sie, und empfehle uns gerne weiter. Vielen Dank und herzliche Grüße.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: