Warum Männer Frauen nicht verstehen und Frauen rücksichtlos führen

Bei all den Diskussionen um Männer und Frauen und warum und wer im Job besser die Hosen anhätte, wird eines immer ignoriert, und das ganz bewusst: Wie das Männliche und das Weibliche denn so sind, was es jeweils macht und wie es wirkt. Die tun einfach alle so, als sei da kein Unterschied, als sei das gleich. Mein Verdacht ist, nur die Wenigsten wissen irgendetwas über das Wirken von Männlich- oder Weiblichkeit.

Das Männliche – nicht „der Mann“ oder „alle Männer“ –, das Männliche ist prozessorientiert. Im Zusammensein mehrerer Männlichkeiten (idealisierte Gedankliche Hilfskonstruktion) steht das Tun oder Handeln im Vordergrund. Es geht um die Sache, das Projekt, das aktuelle Geschehen und alles andere tritt (erstmal) zurück. Egal ob bei der Mammutjagd, dem Fussballspiel oder dem IT-Projekt, der Fokus ist, dass die Sache gut und schnell und richtig durchgezogen wird. Natürlich wird auch die Gruppe erlebt und das Zusammensein, aber das ist auf Ebene zwei.

Natürlich entstehen bei der Durchführung des Projektes Konflikte. Die Interaktion der Figuren ist nicht reibungslos. Irgendwas ist immer oder einer hat eine andere oder bessere Idee. Das ist normal und wichtig. So entstehen innerhalb des Projektes Auseinandersetzungen. Männlichkeiten (im Männlichen funktionable Personen) suchen eine Lösung, möglichst schnell, nicht immer schlau, aber immer zielorientiert. Die Konflikte sind schnell und heftig und klar. Auseinandersetzung bis einer unterliegt. Wichtig dabei: es geht schnell und bündig und klar. Männliche Prozesse sind auf schnelle Reaktion und Lageveränderung eingestellt. Unklarheiten, Unausgesprochenes würde das Projekt stören, also lässt man das sein. Konfrontation und Peng und gut und weiter im Text. In der Spitze kann das bedeuten, dass ein unterlegener Kontrahent „eine abbekommt“, geschlagen oder körperlich ausgeschaltet wird.

Wie Männer – Männlichkeiten – das machen hat sich über Jahrtausende evolutionär installiert. Es ist ein sehr effektives System, wie Individuen in einer Gruppe zielgerichtet interagieren. Klar ist aber auch, dass so Verluste entstehen. Ständig würden mit den Konflikten Figuren ausgesondert. Die Gruppe würde immer kleiner und damit schwächer. Also und daher gibt es eine Methode im Männlichen, die Ausgesonderten wieder in die Gruppe zu integrieren und zurückzuholen. Sie ist einfach und schnell und heißt: „Alles ist wieder gut“. Männlichkeiten lassen los, wenn weiterer Kampf sinnlos ist. Sie halten nicht weiter an ihrer Position fest, und zwar beide Seiten nicht, läuft es richtig und gut. Das fällt nicht schwer, da es um die Sache geht und der Konflikt nicht sehr persönlich genommen wird. Es ist ehrenvoll, unterlegen vom Platz zu gehen, wenn man seine Position vertreten hat und unterlegen ist. Ein guter Verlierer ist hoch angesehen. Nicht so hoch, wie der Gewinner, aber hoch. 

Wer sich einmal darüber gewundert hat, wie es denn sein kann, dass nach einem heftigen Konflikt -sogar Fäuste oder Schlimmeres sind geflogen (und besonders dann), – die Kontrahenten wieder wie die besten Kumpels zusammensitzen können, der erlebt genau das. „Alles ist wieder gut“ Minuten später schon. Der Konflikt ist erledigt und Friede ist und weiter kann es gehen mit dem gemeinsamen Projekt. Das Männliche ist prozessorientiert. Befindlichkeiten der Mitspieler werden zurückgestellt und stellen sich für das Ziel, den Prozess, zurück.

Das Weibliche ist beziehungsorientiert. Im Zusammensein mehrerer Weiblichkeiten (idealisierte gedankliche Hilfskonstruktion) stehen die Beziehungen der Personen im Vordergrund und was und wie durchgeführt wird, liegt auf Ebene zwei. Der Fokus von Weiblichkeiten ist nicht, dass alles schnell und reibungslos und klar durchgezogen wird, sondern, dass nur auch etwas passiert und gleichzeitig das Beziehungsnetz und die Befindlichkeiten der einzelnen Figuren gestärkt und verbunden wird. Letzteres steht im Vordergrund, das Projekt ist das wichtigste nicht.
„Jetzt haben wir überhaupt nichts hinbekommen, aber schön war es“, freuen sich die Mädels bei der Verabschiedung und alle strahlen dabei. Das Weibliche ist dispers, nicht klar geradeaus und zielorientiert, sondern taumelt und streicht und wabert herum. Das ist kein Nachteil, es ist eine andere Methode. Die Methode ist hochintegrativ, denn sie bietet durch ständigen Richtungswechsel allen Teilnehmerinnen (Weiblichkeiten), die Möglichkeiten zu integrieren. Diskussion und Ausdiskutieren ist nichts anderes, als Richtungswechsel zuzulassen, damit jeder immer wieder neu seinen Platz finden kann.

Natürlich entstehen bei diesem Zusammensein (das „Zusammensein“ ist das Projekt itself) Konflikte. Manchmal lässt sich eine der Teilnehmerinnen nicht integrieren, will nicht dabei sein, irrlichtert herum und will oder kann in die Gruppe nicht hinein. Das kann im Kleinen und sehr vorübergehend sein. Was in der männlichen Konfliktlösung mit „Alles ist wieder gut“ gelöst wird, funktioniert unter Weiblichkeiten nicht. Im Weiblichen ist ein Konflikt immer persönlich gemeint, denn es geht um Personen, um die Beziehungen selbst. Was unversöhnlich klingt, ist es auch und damit es nicht so weit kommt und abgefedert werden kann, bekommt jede Weiblichkeit (Teilnehmer) immer wieder eine neue Chance dabei zu sein. Zickenkrieg ist das Hochgefecht in dieser Energie. Verbissen und mit allen Mitteln wird die Kontrahentin bekämpft, aber immer wieder finden sie dann doch zusammen und kämpfen wieder neu AUF EINEM NEUEN SCHLACHTFELD! Das Weibliche ist dispers, ändert ständig Richtung und Thema und Plot. Das ist möglich, denn sie verfolgen nicht das EINE große Ziel und so bekommen die Personen immer wieder neu Möglichkeiten sich über Neues neu zu integrieren. Der Konflikt ist Teil der Integration. In der Summe ist nie alles gut, aber alle bleiben zusammen. Wer mehrere Töchter hat, kann ein Lied davon singen und bekommt es jeden Tag vorgeführt, lebenslang.

Bis hierhin ist es einfach und übersichtlich. Was aber passiert, wenn man diese Methoden miteinander mischt? Was passiert, wenn Männlichkeiten und Weiblichkeiten aufeinandertreffen oder sogar in den gleichen Personen übereinanderliegen. In jedem und jeder ist ja Männliches und Weibliches zugleich.

Ich vereinfache jetzt und spreche von Mann und Frau, einer Figur, die jeweils mehr im Männlichen oder Weiblichen ist.

Ein Mann, der in eine weibliche Welt eintritt, versteht die Welt nicht mehr. Was soll das alles? Warum wird nicht die Sache verfolgt und ständig die Richtung und das Projekt geändert? Schon diese Art der Kommunikation, so viel Gerede um nichts und eine Unterhaltung, die in immer neue Richtungen driftet und nie bei der Sache bleibt. Der Mann kommt gar nicht auf die Idee, dass dieser Richtungswechsel neue Möglichkeiten bietet, anzudocken ist und Fäden wieder aufzunehmen könnte. Er staunt nur und läuft dem letzten Faden hinterher. Er wird verwirrt, denn Fäden sind überall. Andererseits erwartet er nach einem Konflikt, dass er wieder in seine Umgebung aufgenommen wird. Alles ist doch gut oder nicht? Nein, ist es nicht, nicht in der weiblichen Welt. Er müsste einen neuen Faden aufnehmen im alten Ärger und neu andocken und es ist eben nicht sofort wieder gut, sondern muss wieder eingerichtet werden.

So versteht der Mann nicht was geschieht und findet sich – ganz entgegen seinem Naturell – in einem Dauerkonflikt. „Das bringt nichts“, sagt er sich und ist falsch justiert, da er prozessorientiert denkt. In seiner Welt soll „bringen“ zu einer Sache führen, nicht die Sache die Personen zusammenführen.  

Im Umgekehrten Fall, fällt eine Frau in eine männliche Welt, versteht sie den ständig neuen Frieden nicht. Sie rennt den Beziehungen und Verbindungen hinterher und will kitten und verbinden, wo die Männlichkeiten längst wieder im Frieden sind. Ihre männliche Umgebung allerdings ist von der Frau genervt, da sie nie bei der Sache bleibt und ständig in Neues, neue Themen oder immer wieder alte Befindlichkeiten aufgreift. „jetzt ist aber mal gut“, brausen die Männlichkeiten auf und wollen mit Aggression befrieden und die Frau schaut entsetzt mit weiten Augen und versteht nicht. „Wie soll, denn alles wieder gut sein? Es ist nie wieder gut, nie, nie, nie, es sei denn wir probieren folgendes aus …“, denkt sie und beginnt neu.

Versucht sich ein Mann – eine Figur mit männlichem Hintergrund – in der Weiblichkeit, im weiblichen Plot und Methode, so verliert er sich. Er ist zielorientiert, wünscht sich die Befriedung, die er aus der Männlichkeitenwelt kennt, aber sie tritt nie ein, da es sie so hier nicht gibt. Weibliche Harmonie ist eine andere, wird durch den ständigen Wechsel, nicht durch loslassen hergestellt. Weibliche Harmonie ist die Ruhe vor dem nächsten Konflikt, die männliche ist die Harmonie nach dem Krieg.
Und auch kommt er so nie zu seinem Projektziel, nicht in der Art, wie es kennt, denn mit Diskussionen und indirekt unter Berücksichtigung von … und allem … und mit … und besonderer Würdigung … blabla, kriecht er nach seinen Maßstäben langsam und mühsam ins Ziel. Jedes Mammut wäre längst auf und davon und auch Bälle rollen zu schnell über das Fußballfeld für so ein Projektmanagement.
Er verliert sich im Dispersen und nimmt jeden kleinen Konflikt, jedes kleine Projekt, jeden Richtungswechsel als großen Richtungswechsel an. Du beklagst Verantwortungsdiffusion in Unternehmen, kotzt über endlose Meetings? Genau das ist das. Dispers (weiblich) und schnell zum Ziel (männlich), passt nicht zusammen, nicht so.

Versucht sich eine Frau – eine Figur mit weiblichem Hintergrund – in der Männlichkeit, in männlicher Methode, so wird ihr das gelingen. Das funktioniert und führt zum Ziel. Sie lässt einfach alles disperse, irrlichternde, ablenkende weg und verfolgt nur eines ihrer Ziele und das bis zum Ende und geradeaus und durch. Sie guckt – ganz wie die Männlichkeiten um sie herum – weder links noch rechts. Da ist nur eine Richtung: geradeaus.
Allerdings gibt es da ein Problem. Sie ist so nicht konstruiert. Es fehlt die Integration. Entstehen Konflikte, so schaltet sie ihre Gegner männerlike aus, aber, ABER! ABER! Was fehlt ist das „alles ist wieder gut“. Im Weiblichen ist nicht alles wieder gut, es bräuchte einen Richtungswechsel, der aber fehlt und ist nicht möglich, da es nur noch ein Ziel gibt. Die Integrationsmöglichkeit des Unterlegenen fehlt und so bleibt der Unterlegene für immer außen vor. „Frauen sind so verbissen“ „Die Chefin ist ein Biest“ – genau das ist das! Sie ist eben eine Frau im Männlichen und lässt dem Unterlegenen nicht strukturell seinen Raum. Und es ist ein Regelkreis: Da sie davon ausgeht, dass einmal unterlegen für immer unterlegen bedeutet, kämpft sie auf Teufel komm raus. Sie kommt überhaupt nicht auf die Idee, dass in ihrer umgebenden Männlichkeitswelt alles sofort wieder in Ordnung sein kann, wenn man verliert, und sie wieder willkommen ist, auch wenn und WEIL sie aufrecht unterliegt. In der weiblichen Welt ist das nicht so. Neu kämpfen müsste sie da den alten Kampf in neuer Themenwelt.

So, genug davon. Viel Spaß damit. Wenn ihr das verstanden habt, beginnt jetzt für euch eine spannende Zeit.

2 Kommentare zu „Warum Männer Frauen nicht verstehen und Frauen rücksichtlos führen

  1. Ich glaube Frauen versuchen die Männer zu imitieren mit ihrem Wettbewerbs-verhalten, mit ihren vergleichen und auch Konkurrenz ist unter Frauen ein männliches Verhalten, was so eigentlich gar nicht zielführend ist. Für Männer total normal und instinktiv total angebracht, für Frauen total schädlich. Die kommen da auch nicht so schnell wieder raus, denn die sind dann auf dem Gleis unterwegs, Powern durch ohne nach rechts und links zu gucken. Der Mann verfällt eher in Burnout und Minderwertigkeit, wird er dauernd von der Umwelt gebremst, Frauen reiben sich auf und verbrennen, wenn sie im Gegenteil immer weiter gepusht werden. Die Energien laufen einfach diametral komplett anders. Es ist für eine Frau definitiv schwerer diesen Drive zu verlassen als für den Mann. Der kann ja mit seiner Männlichen Energie in der Regel gut umgehen, wenn man ihn denn lässt. Die Frau muss erkennen, dass ihre Weibliche Seite eben auch wichtig ist und sein darf sogar sein soll. Wer kann stark sein, wenn Frau auch stark ist? Eben. Keiner. Und da leben wir.

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