König Blaubart und der Ur-Instinkt der Frau

Ich biete dir heute wieder einmal tiefen Einblick in die Seele der Frau. Wir tauchen tief hinein in ihr Wesen und auch in ihre Abgründe. Und um das zu tun, schauen wir uns dabei keinen geringeren als den düsteren König Blaubart an.

König Blaubart war nämlich ein ganz schöner Knilch. Da heiratet der eine so schöne Frau nach der anderen und dann? Dann sägt er ihnen den hübschen Kopf ab! Na so was!

Aber mal der Reihe nach, worum geht’s?

Zur Kurzfassung des Märchens:

 König Blaubart war ein mächtiger aber einsamer König. Er heiratete eine sehr hübsche Dame aus dem Umland und verreiste kurzerhand. Er übergab seiner Frau alle Schlüssel für sein Königreich und gestattete ihr sich darin umzusehen. Nur ein Zimmer verbot er ihr bis auf Strengste zu betreten. Es gab dazu einen verbotenen Schlüssel und er ermahnte sie seine Regel nicht zu brechen. Andernfalls würde sie es bitter bereuen. Die liebe Frau war nun also allein. Sie sprang im Schloss herum und erkundete alle Ecken und Winkel. Das verbotene Zimmer ließ sie aus. Aber irgendwann war es ihr langweilig, sie hatte alles entdeckt, nur ein Schlüssel war noch übrig. Ein Zimmer wurde noch nicht erkundet. Es war das verbotene Zimmer. Sie überlegte hin und her und beschloss kurzerhand doch einmal einen Blick hinein zu werfen. Der König würde es ja nicht mitbekommen. Als sie die Tür des verbotenen Zimmers öffnete, entglitt ihr ein entsetzlicher Schrei. Sie riss die Augen weit auf und war starr vor Angst. In einer Reihe standen sieben Frauen, allesamt ohne Kopf, es waren die früheren Frauen von König Blaubart, die er grausam ermordet hatte. Der verbotene Schlüssel fiel in eine Blutlache auf den Boden und weil es ein verzauberter Schlüssel war, ließ sich das Blut darauf nicht entfernen. So sehr sie auch hektisch versuchte den Schlüssel zu säubern, es gelang nicht. Schnell schloss sie die Tür des Zimmers wieder und in ihrem Schrecken sah sie, wie König Blaubart in den Hof galoppiert kam. Er war zurück von seiner Reise. Die junge Frau stieg voller Schrecken und Angst auf den höchsten Turm des Schlosses und gab ihren drei Brüdern Signal, damit sie schnell kommen, um sie zu retten.  Als König Blaubart den verschmutzen blutigen Schlüssel sah, wusste er sofort was sie getan hatte. Sie hatte sich seinem Verbot widersetzt. Er zerrte sie an den Haaren in das verbotene Zimmer. Nun sollte ihr dasselbe Schicksal wie all seinen früheren Frauen zuvor zu Teil werden. Er zog sein scharfes Schwert und war im Begriff ihr auch den Kopf abzuschlagen, aber in dem Moment kamen die drei Brüder, streckten König Blaubart nieder und retteten so ihre Schwester.

 

Was hat König Blaubart, es ist ein Märchen der Gebrüder Grimm, eigentlich jetzt mit dem Ur-Instinkt der Frau zu tun? Warum kommt die Amanda schon wieder mit einem Märchen um die Ecke? Ganz ehrlich, ich liebe Märchen, Sagen und Mythen. Ich liebe Analogien und ich liebe alte Symbole und ihre tiefe Bedeutung. Nirgendwo sonst als in altem überlieferten Wissen kann man so viel Wahrheit über die Natur des Menschen und hier konkret über die Frau erfahren. Wollen wir verstehen wer wir sind und wie wir ticken, müssen wir zu unseren Ahnen, das heißt zu unseren Wurzeln gehen. Und deshalb hilft uns heute der liebe König Blaubart auf die Sprünge einen Aspekt des Frau-Seins zu verstehen, der sehr wichtig ist und zu dem kaum eine Frau wirklich Zugang hat. Wir Frauen werden nicht mehr ins Frau-Sein aktiv initiiert, so wie das früher durch rituelle traditionelle Einweihungen in die Gemeinschaft der Frauen der Fall war. Daher haben wir als moderne Frau in der Regel kaum Kontakt zu unserer inneren weiblichen Intelligenz, zu unserem weiblichen Ur-Instinkt, zu unserer weiblichen Essenz. Daher ist es wichtig den Weg zurück zu gehen und hier kommt ein kleiner Impuls dazu.

Was erzählt uns das Märchen auf einer tieferen Ebene über die Frau? Man könnte auch sagen, dass die Neugier der Frau töricht sei, denn diese bringt sie schließlich in große Schwierigkeiten. Moralisch gesehen böte sich genau das auch an. Aber das ist nur ein kleiner Teil der Wahrheit, so glaube ich. Das Märchen zeigt und lehrt uns auf verschiedenen Ebenen, was es bedeutet Frau zu sein und wie wir als Frauen einfach ticken.

Es thematisiert nämlich eine weibliche Eigenschaft – die Neugier!

Wir Frauen sind neugierige Wesen und das ist gut so.

Wir wollen alles wissen und wir wissen auch immer alles Wichtige. So wie Madame im Märchen angetrieben war alles zu erforschen im Königreiche, haben auch wir modernen Frauen unsere Augen und Ohren überall!

Wir tratschen und tuscheln gerne, wir tauschen uns darüber aus und sitzen stundenlang bei Kaffee oder Prosecco zusammen. Weil es uns allen gleichermaßen so geht. Frauen sind Tratsch-Tanten. Nicht weil die böse sind, nein, weil sie sozial orientiert sind. Deshalb können die auch so gut mit Sprache umgehen, so gut argumentieren, weil sie das seit Jahrtausenden machen, während ihre Männer auf der Jagd sind. Da muss man nicht so viel reden, da hält man meist die Gosche, sonst haut ja das Reh ab. Die Frauen aber sitzen beim Waschen am Fluss und schnattern was das Zeug hergibt.

Ganz besonders neugierig ist eine Frau aber, was ihren eigenen Mann, oder die Männer an sich angeht!

 

Hat eine Frau einen guten Mann gefunden beginnt sie ihn zu durchleuchten. Sie checkt ihn von allen Seiten, sie beäugt ihn, sie prüft, sie testet und sie durchdenkt und vergleicht.

Wie geht er mit ihr um, wie geht er mit ihren Freundinnen um, wie geht er mit ihren Eltern um, wie ist sein Verhältnis zu seinen Eltern, was für Freunde hat er, was für ein Umfeld, wie wohnt er und was sind seine Hobbys usw.?

Das hat eine Frau in nullkommanix auf der Kette, das weiß sie schnell, wenn du nicht aufpasst kennt sie schneller deine Sozialversicherungsnummer, als dir lieb ist. Weshalb es manchen Männern schnell zu viel wird. Sie kennen das von sich nicht. Diese Neugier in allen Bereichen. Und warum beschäftigt sich die Frau so viel mit dem Mann? Das wirkst seltsam. Ein Mann versteht das nicht, er hat ganz andere Interessen an der Frau und käme nie auf die Idee sie so zu durchleuchten. Nein, die Frau scheint innerlich alles mitzuschreiben was er wie wann in den letzten hundert Jahren gesagt und getan hat. Warum und wann und wie er dies tat und die weiß auch wann er bei Whatsapp zuletzt online war. Sorry aber ist so. Die checkt deinen Facebook-Status, weiß genau auf welcher Party du warst, da kennt ihr euch noch gar nicht. Die hat dich genau auf dem Radar, bevor du sie auch nur ansprichst, glaube es mir einfach. Und genau darum geht es auch in dem Märchen.

Die junge Prinzessin betrat alle Zimmer, sie war von Neugier und Abenteuer angetrieben. Und es war ihr ja auch erlaubt. Der König selbst gab den Raum dafür frei und so dealt auch der moderne Mann mit dieser Eigenart der Frau. Sie ist ihm bekannt, wenn er sie auch nicht wirklich zu verstehen weiß.

Nur mal am Rande:

Eine Frau hat als Haupt-Verwirklichungsort ihre Beziehung. Ein Mann nicht, der muss seine Lebens-Vision umsetzen, aber wir Frauen ziehen tiefe Befriedigung daraus an unseren Beziehungen rum zu basteln. Daher steht bei einer Frau die Beziehung meist auch an erster Stelle. Beim Mann ist das naturgemäß nicht so. Der kümmert sich mehr um das Außen und dass er da etwas schafft und aufbaut.

So erkundet die Frau angetrieben durch ihren weiblichen Instinkt den INNEN- Raum des Mannes.

Sie erkundete im Märchen im übertragenen Sinne seine Seele, sie machte sich auf die Suche nach den Untiefen, nach dem was nicht stimmig ist. Denn irgendetwas in ihr trieb sie an. Irgendetwas sagte ihr: „Suche weiter, schau und suche auch in den dunkelsten Bereichen“. Und so stieg sie hinab in das Reich des Unterbewusstseins. Das verbotene Zimmer im Märchen steht für das Dunkle, Versteckte. Für das, was er nicht preisgeben will, was er auch selbst gar nicht sehen will, was er vor anderen verbergen und verheimlichen will! Es sind die berühmten Leichen im Keller, die blinden Flecke, die Ungereimtheiten im Mann. Und die Frau kann auch gar nicht anders, so wie sie im Märchen von ihrem Instinkt angetrieben wird zu suchen und zu forschen so wird sie ebenfalls von ihm gerettet. Eine Frau prüft und vertraut ihrer inneren Stimme und da ist eben einfach naturgemäß viel Neugier im Spiel.

So durchdringt auch die moderne Frau den Mann mit ihrem Wesen in all seinen Facetten

Und der kann sich ihrem Zugriff, ihrer Neugier kaum entziehen.

Denn das Innere der Frau, ihr Instinkt diktiert ihr den Mann zu prüfen, jeden Tag und jede Minute tut sie das. Es ist ein Zeichen dafür, dass du dich als Mann in der Reichweite ihres Herzens befindest. Es ist ein Zeichen, dass du zu ihr durchgedrungen bist, dass du wichtig bist. Deshalb dringt sie ein, emotional in alle Ecken und Winkel deines Lebens. Macht eine Frau das unbewusst wird schnell ein Kontrollzwang oder auch Übergriffigkeit daraus. Macht sie es bewusst, kann sie es an sich akzeptieren, dass sie nun einmal sehr wissbegierig ist aufmerksam ist und viel bemerkt.

Geht eine Frau immer weiter, treibt sie der innere Drang an immer tiefer zu Fragen und zu bohren, steckt mit guter Gewissheit dahinter, dass sie dem, was der Mann sagt nicht zu einhundert Prozent vertraut. Ein kleiner Teil in ihr zweifelt und so sucht sie weiter, um auch das letzte düstere Geheimnis, den letzten verborgenen Schatten an ihrem Mann ans Licht zu zerren. Es ist zum Beispiel auch deshalb die Aufgabe von uns Frauen zu spiegeln, was nicht stimmig ist in der Beziehung. Es ist unsere Aufgabe uns klar zu dem zu positionieren, was wir an Unstimmigkeiten im Verhalten des Mannes beobachten. Es ist unsere Aufgabe unser Herz und unseren Schoßraum zu beschützen und uns nur zu öffnen, wenn wir vertrauen können. Wenn wir wissen, dass da beim Mann keine Leichen, respektive tote Frauen im Keller liegen. Das sagt uns unser Schutz-Instinkt, das sagt uns unser Ur-Instinkt als Frau. Den Zweifeln in uns nachzugeben. Tun wir es nicht bewusst, werden wir immer wieder Situationen erzeugen, in denen wir den Mann entlarven, ihn überführen können, wenn wir spüren er lügt uns beispielsweise an. Wir werden Drama machen und Drama provozieren, denn das Unbewusste im Mann wird unserer eigenen Schmerzen und Wunden triggern.

Ich bin auch der Meinung, dass es keinen Sinn macht seine Frau anzulügen. Erstens können das die Frauen hundert Mal besser, als die Männer und zweitens riechen Frauen die Lüge, bevor sie ausgesprochen ist. Das macht ihr feiner Instinkt. Ob sie ihn nun bewusst haben oder nicht, aber sie spüren, wenn etwas nicht stimmt. Sei dir dessen sicher!

Der Instinkt in dem Märchen wird übrigens durch die drei Brüder repräsentiert.

Sie retten die junge Frau schließlich und töten König Blaubart. Sie stehen für den rationalen, männlichen Anteil in uns Frauen. Der Teil, der uns im Schlimmsten Fall den Arsch rettet, der uns zu gesunder Abgrenzung verhilft und dazu da ist, Entscheidungen zu treffen. Daher ist auch hier die Versöhnung der weiblichen und männlichen Anteile in uns Frauen so wichtig. Denn beides brauchen wir.

Ihr seht also:

Die Neugierde der Frau hat positive Seiten, kann aber auch große Schatten-Seiten mit sich bringen, wenn sie unbewusst damit ist und von allerlei eigenen Ängsten vor sich selbst hergetrieben wird. Sie drangsaliert den Mann mitunter sehr schnell damit, kann keine Grenzen akzeptieren und übergeht den Mann. Sie kann schnell paranoid, übergriffig, kontrollsüchtig und hysterisch sein in dem Fall. Im Grunde genommen ist dann ihr weiblicher Ur-Instinkt fehlgeleitet und unausgesöhnt oder auch noch nicht integriert. Sie kann damit noch nicht reif und erwachsen umgehen, weil sie ihrerseits zu viel auf dem Tablett, also noch viele Themen für sich selbst zu lösen hat.

Aber das ist ein anderes Thema.

Ps: Wenn du mehr über den Zusammenhang von Sagen, Mythen und dem Ur-Instinkt der Frau erfahren willst, kannst du in dem Buch „Die Wolfsfrau“ von Clarissa Pinkola Estes einmal nachlesen. Da ist auch das obige Beispiel entnommen.

Wie sind deine Erfahrungen mit der Neugier der Frau? Empfindest du Frauen in der Regel als zu wissbegierig und nervig? Wie ist das für dich als Frau selbst? Bist du dir darüber bewusst was dich antreibt, wenn dir andauernd Kleinigkeiten an deinem Partner auffallen und ist dir klar, warum eigentlich? Wie steht ihr zum Thema Geheimnisse in Beziehungen, dürfen die sein?

Schreibe uns gerne deine Meinung, Erfahrungen und Impulse unter den Text, damit das hier kein einseitiger Monolog, sondern ein Austausch wird!

3 Kommentare zu „König Blaubart und der Ur-Instinkt der Frau

  1. In der mir bekannten Fassung gibt es auch drei Schwestern, von denen zwei durch ihre Neugier den Tod finden. Erst die dritte ist klug genug, den Schlüssel (oder in der Version das Ei) zu schützen und sich nichts anmerken zu lassen, bis sie ihre Familie unterrichten kann.

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