Sieben zu eins

Auch interessant: Die alten Griechen kannten die Farbe Blau nicht. Also natürlich konnten die die sehen, die hatten keine Blauschwäche. Das blaue Licht kam ihnen in die Augen und das war überall, aber eben dann doch nicht, denn die Hellenen kannten es nicht.

Wer wie ich in der Vorweihnachtszeit die Gemütlichkeit in seiner Privatbibliothek sucht und die alten griechischen Sagen im Original liest – Altgriechisch – dem fällt auf: Blau wird nie erwähnt. Nirgendwo.

Übrigens auch in einigen anderen antiken Kulturen nicht. Der Farbkasten der Antike war bei einigen Völkern lückenhaft. Das ist interessant. Warum? Das ist genau untersucht.

Das Wort „Blau“ gibt es in diesen Sprachen nicht. Fehlt wegen ist nicht. Überhaupt hält man sich mit Schilderungen und Nennungen von Farben zurück. Gelb gab es aber. Grün wird erwähnt, Braun auch, Schwarz und Weiß sowieso und Rot natürlich auch, rot ist schließlich das Blut und Blut ist ziemlich wichtig.

Und da sind wir schon bei den Ursachen: Natürlich bekommt alles einen Namen, was wichtig ist: Grün ist wichtig, denn wo es grünt, wächst etwas. Gelb auch, denn gelbe Früchte sind reif. Braun ist der Boden und die Erde. Da sollte man die Varianten kennen, damit man weiß, wo etwas wächst. Und Rot – natürlich, wie gesagt, Blut und Gefahr. Ohne Rot geht es nicht. Aber ohne Blau schon. Blau ist immer da. Blau sind der Himmel und das Meer und … tja. Was denn sonst? Ähm, schau dich einmal um in der Natur … Blau ist mau. Wenig. In unserer heutigen Welt ist Blau selbstverständlich und überall ist etwas blau oder blau angemalt. Damals nicht, was man kaum glauben kann, besonders für Griechenland nicht, da dieses Blau an Häusern heute allgegenwärtig ist.

Farben waren den alten Griechen offensichtlich nicht besonders wichtig. Ob dunkel oder hell, schwarz oder weiß, das wird ständig genannt, aber besonders farbig war ihre Vorstellungwelt nicht. Die Farben, die da waren, waren eben da und man half sich mit Vergleichen aus: „Das Meer wart wie dunkler Wein“, heißt es zum Beispiel in der Odyssee und im Prinzip ist klar, wie es wohl war.

Es gab noch ein Problem mit der Farbe Blau bei Platon und Co. Das Pigment. Blau ist – übrigens ebenso wie Grün – als Naturfarbe, als natürliches Pigment, schwierig zu bekommen. Besonders in lichtecht, also haltbar. In der Antike, wurde nicht blau gefärbt oder gemalt. Wie auch ohne Pigment? Vielleicht hatten die Hellenen es auch einfach über und kein Interesse, bei all dem Meer und Himmel.

Die Ägypter hingegen, die konnten blaues Pigment herstellen. Die hatten eine Rezeptur und auch die finanziellen Möglichkeiten. Lapislazuli, der blaue Stein, wurde gemahlen und als Farbe aufgetragen. Sehr edel und sehr schön und siehe da: Die alten Ägypter hatten in ihrem Wortschatz die Farbe Blau und sie galt als edel. Kaum gab es die Farbe als Pigment, taucht sie auch im Wortschatz auf. Die Bläue, Blau, auch Indigo kam erst später zur Zeit der Römer auf weltweit.

Diese „Blauschwäche“, dieses Fehlen des Blaus hat viele beschäftigt und gefunden hat man die Ursache in der Psychologie und der Sprachwissenschaft. Wenn ein Wort für etwas fehlt, zum Beispiel, weil es nicht nötig ist oder keine Historie hat, dann können Menschen es nicht denken. Sie können keine Kategorie bilden, wenn es kein Wort für Unterscheidung gibt. Natürlich ist alles da, so auch im alten Griechenland das Blau, aber da das Wort fehlt, kann man es nicht benennen und das Gehirn nimmt es nicht als eigenständig wahr, nur als dunklen Wein zum Beispiel.

Das ist wichtig. Wer weiterdenkt zuckt zusammen! Was bedeutet das? Wo uns die Wörter fehlen, reicht das Bewusstsein nicht hin? Oh Schreck! Genau! Zumindest fällt es sehr schwer und die Kommunikation wird sehr kompliziert. Die Wahrnehmung auch und es ist, als entfalle die Gegenwärtigkeit im Bewusstsein – quasi gibt es das nicht, nur weil das Wort nicht existiert. Oder ist beinahe so oder so, aber nicht eigene Kategorie, hier Farbe. So im Kleinen kennen wir das bei den Farben auch. Jeder Künstler weiß sofort – was Zinnober meint, oder Umbra. Er hat sofort eine Vorstellung der Farbe. Für ihn ist es eigener Gegenstand, weil er es kennt, das Wort weiß! Für andere nicht, für die ist es halt irgendein Rot oder Braun-dingsbums, dass … Wörter sind Wissen und von dem du nichts weißt, weißt du nichts.

So, und jetzt komme ich zu dem spannenden Punkt, warum dieser Text überhaupt auf diese Plattform gehört, die ja über Frauen, Männer, Liebe und sowas handelt: Die alten Griechen kannten zwar nicht das Wort „Blau“, aber sieben Wörter für „Liebe“, mindestens. Und jetzt? Was bitte wussten die von Liebe und wir wissen nichts davon? Sieben! Wir haben eins! Nur eins, okay?

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