Feministenängste

Mich treibt etwas um seit ein paar Tagen. Ich habe etwas gelesen, so Schnipsel aus verschiedenen Blogs. Es geht um Feminismus – angeblich.

Männer, die sich als Feministen bezeichnen dort, beschreiben, was für ungute Gefühle sie haben, gehen sie etwa im Dunklen hinter oder vor oder neben einer einsamen Frau den Gehsteig entlang.

Sie beschreiben ihr eigenen ungutes Gefühl, da sie davon ausgehen, dass die Frau sich ungut oder bedroht fühlen könnte von ihnen als Mann.

Sie diskutieren, wie sie sich verhalten sollen.

Oder in anderen Szenen: ob sie sich zu einer einsamen Frau in ein Bahnabteil setzen sollen, ob dies die Frau vor anderen Männern schütze – sie zählen sich ja zu den Guten –, oder ob die Frau sich davon wiederum bedroht fühlen könnte, da sie das Gute in ihnen von außen nicht erkennen könne. Sehr viel Konjunktiv. Konjunktiv Irrealis denn die Gefahr ist phantasiert.

Diese Betrachtungen, diese Gedanken treiben mich um. Mein Interesse gilt dabei nicht der Situation, sondern was diese Feministen bewegt.

Ich kann den Impuls nachvollziehen. Tatsächlich entsinne ich mich zweimal ebenfalls jeweils einer einsamen Frau mitten in der Nacht bei Nebel und in Bahnunterführung versichert zu haben, dass ich ihr nichts Böses wolle. Ich habe damals ihre konkrete Angst gespürt, ihr Schritt wurde schneller und so weit ich mich erinnere, habe ich sie den Damen erfolgreich genommen, die Angst.

Der Gedanke und die Tat können in bestimmten Situationen – damals Köln-Kalk – wahrlich Gentlemen sein, aber generell?

Was treibt da den Feministen an? Ich bin übrigens keiner, denn ich bin ein Mann. Feminist und Männlich schließen einander aus.

Wenn man als Mann solche generellen Betrachtungen macht und sich damit auch … nennen wir es feiert, dann liegt da ein Selbstbild – ein Teilselbstbild – eine bestimmte Vorstellung des Männlichen vor und die heißt verkürzt: Männer sind potentiell böse, wenn sie männlich sind. Das Männliche ist gehalten, Frauen etwas Böses zu tun. Das ist die Denkrichtung, genauer: der Gedankenursprung.

Männlich ist böse. Die einsame Frau ist per Situation – z.B. einsam in der Bahn –, vom Männlichen bedroht.

Und diese Sicht, genau das, treibt mich um.

Darf ich an dieser Stelle anmerken: Die tatsächliche Gefährdung der Frau ist so nicht. Ich bin mir absolut sicher, 99,9 Prozent aller Situationen von einsamen Frauen in Zugabteilen oder auf Bürgersteigen vergehen ohne jede Gefahr – außer vielleicht in Köln-Kalk.

Die Gefahr wird überhöht, beschreibt oder begreift man sie strukturell; und gekoppelt mit Männlichkeit überhöht man sowieso.

Strukturelle Überhöhung einer Gefahr mündet psychologisch in das Neurotische, denn eine Neurose ist genau das. Der Prozess der Neurose beinhaltet den stets selbstverstärkenden Gedanken, dass eine Gefahr vermeintlich gegeben ist und der Gedanke selbst betreibt die Angst und überzeugt die Seele wiederum von der Gefahr.

Willkommen im Pathologischen.

Der Feminist überhöht die Gefahr und ordnet sich ihrer unter, will nicht Gefährder sein, die Frau bewahren unbedingt und begibt sich in eine demütige Situation, diskutieret, was er selbst, ob seiner Erbschuld als Mann an Abbitte tun soll.

Soll er auf Distanz gehen auf dem Gehweg, oder zum Schutz vor anderen Männern in ihr Abteil? Mit diesem Kinderkram beschäftigt er sich aus innerer Verlegenheit.

Die Psychologie kennt diese Gedankengänge. Diese Art der Denke heißt „Madonna Komplex“. Verkürzt dargestellt liegt dem Madonna-Gedanken/dem Gefühl/der Neurose zu Grunde, Frauen seien unschuldig, verwundbar, anbetungswürdig, höher, heilig und der Mann sei nichts oder nicht viel. Jünger versus Madonna eben.

Der Madonna-Komplex hat übrigens einen Bruder, den Huren-Komplex: Alle Frauen seine minderwertig und nichts wert. Das ist das Gleiche in Grün nur umgekehrt.

In Kombination bildet er oft und gerne den Madonna-Huren-Komplex, der – sehr unangenehm – den „Befallenen“ ständig zwischen beiden Sichten auf die Frau hin- und herschnippen lässt. Kennt man vielleicht aus dem Alltag. Zu finden zum Beispiel am Kiosk Bahnhof Köln-Kalk. „Oh Bella …“ und „du miese Schlampe“ in zwei aufeinander folgenden Sätzen.

Beides sind Dramen – psychologische Inszenierungen. Beide werden aus der gleichen intrinsischen Lage des Mannes gespeist, dem Gefühl tiefer und absoluter Unterlegenheit des Mannes (hier des inneren Kindes des Mannes) gegenüber der Frau.

Ein vernünftiger Umgang des Mannes mit der Frau ist so nicht möglich. Das können diese Männer nicht, den überlaut schreit ihr inneres Kind: „Ich will von der Frau geliebt werden, sie wird aber nicht, egal was ich tue.“

Erwachsen ist das nicht. Es ist infantil!

Kindlich-Egozentrisch dreht sich das kindliche Ich nur um sich selbst und schreit „ich will und bekomme nicht“. Die Frau wird gar nicht wahrgenommen als Person, nur als Madonna oder gegebenenfalls Hure, dabei ist sie wahrscheinlich beides nicht.

So auch der Feminist. Die Sicht des Feministen ist komplett egoman.

„Ich schütze die Frau, indem ich nicht Mann bin“ – genau das schreit und fordert er mit seinen Diskussionen –, und ist damit infantil reflexiv devot sexistisch. Er stellt sich zurück, fordert dies von anderen, damit die Frau (Madonna) unbefleckt und ungefährdet bleibt und auch möglichst frei einer ihr unterstellten allgemeinen Angst.

Flapsig gesprochen: Er schneidet sich den Schwanz ab, weil er das Männliche nicht will. Ich widerspreche an dieser Stelle, denn der schneidet da nix. Er hatte nie einen Schwanz und genau deshalb, behauptet er, dass dies eine Tugend sei. (Bitte: es ist ein Bild und macht euch kein Bild davon)

Natürlich würde ein Mann in intakter Männlichkeit eine Frau beschützen in Not, egal ob auf Gehsteig oder im Bahnabteil. Er würde und wird es tun, da er um die physische Überlegenheit des Mannes weiß, weiß, dass es Böses gibt. Aber er weiß auch, dass nicht das Männliche das Böse ist. Er ist nicht infantil.

Aber der Feminist macht sich klein, was alte Strategie des inneren Kindes ist. Rückzug in sich selbst, damit es sicher ist und nicht männlich sein muss. Männlich bedeutet nämlich Risiko, im Kampf und vor der Frau. Nicht vieles ist so mächtig, wie die Angst vor dem Urteil der Frau. Der Feminist achtet all das nicht, weiß nichts davon, da er dies als Kind nicht kann. Er weiß nicht, was Männlichkeit kann, kennt nur die Angst davor, weil er so weit in seiner Entwicklung nie kam.

„Aber es geht doch um die Sicherheit der Frau …“, höre ich schon. „Hallo!“, erinnere ich. Die Gefahr war phantasiert, phantasiert, wie es Kinder tun.

Und wenn doch Gefahr, wenn doch Köln-Kalk, dann klärst du das einfach von und als Mann zu und mit und für die Frau.

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